Antwort an Herrn Nußbaum

Abriss Ghost, 17. Mai 2009

WBA Consult GmbH & Co KG
Projekt Brunnenstr. 183

 

An Herrn Nußbaum
Senator für Finanzen im Land Berlin
Per Boten

Antworten für das Problem-Grundstück Brunnenstr. 183

Sehr geehrter Senator Nußbaum!

Willkommen in Berlin.
Wir wenden uns gleich persönlich an Sie, weil Ihr Interview uns Mut gemacht hat. Sie sagten – sinngemäß – wer zu Ihnen mit Fragen komme, der möge bitte auch Antworten mitbringen.
Gern, sehr gern, bringen wir Ihnen die Antworten zum Grundstück Brunnenstr. 183, auf dessen Frage wir dann gleich noch zurückkommen.

Aktuell steht die Brunnenstraße kurz vor der Räumung. Das könnte durch Sie noch verhindert werden. Der Eigentümer, Herr Kronawitter, war bereit, im Austausch mit einem Grundstück in der Ackerstraße, die Brunnenstraße an die Bewohner zu übergeben. Der Bezirk Mitte und der Liegenschaftsfonds waren damit bereits einverstanden. Dann kam Jette Joop, die mit ihrer Modekollektion „Wunderkinder“ in Berlin dafür sorgt, „dass die Kaufkraft auch in der Krise ungebrochen ist“, und erhob den Wunsch, dieses Grundstück doch für sich beanspruchen zu wollen. Damit platzte zunächst das Tauschgeschäft. Bis heute hat Jette Joop übrigens das Grundstück nicht erworben. Es besteht also immer doch die Möglichkeit, Herrn Kronawitter das Grundstück zu geben und damit die Brunnenstraße zu retten, die Räumung zu verhindern.

Soweit die Antwort. Und nun die Fragen:
Warum sind die kaufkräftigen Kunden einer Kollektion von Jette Joop (süßes Kleid ab 500,- Euro) wichtiger als die Interessen der Bewohner der Brunnenstraße 183? Warum wird der Aufwertung des Bezirkes Mitte nichts entgegengesetzt? Warum müssen die Interessen der Bewohner hinter den Interessen einer einzelnen Person, die ohne Zweifel auch ein anderes Grundstück kaufen könnte, zurückstehen. Warum werden Rettungsschirme für Banken aufgestellt und ein kleiner Verwaltungsakt, der ein ganzes Haus und seine Bewohner retten könnte, gegen die Privatinteressen einer Jette Joop, die damit noch nicht einmal obdachlos wäre, sondern nur ihre kleine süße Laune nicht bekäme, gerade an diesem Ort weitere Zelte aufzuschlagen, warum also wird die Rettung der Bewohner verhindert?

Mit den Prozessen von Gentrifizierung, Aufwertung und Verdrängung möchten wir Sie in diesem Zusammenhang noch nicht einmal belästigen, denn hier geht es um ein einzelnes Grundstück und einen einfachen Verwaltungsakt, den Sie – als politischer Chef des Liegenschaftsfonds – regeln könnten.

Vielleicht ist der ganze Vorgang dann doch auch mehr als ein Verwaltungsakt, denn bei einer Räumung wird es sicher zu mehr als nur zur Durchsetzung eines Verwaltungsaktes mit Polizeigewalt kommen. Die Interessen der Bewohner der Brunnenstraße 183 stehen stellvertretend für die vieler Bewohner Berlins, denn Verdrängung, Zwangsräumung und der soziale Abstieg, das Nicht-mehr-wohnen-und-leben-Können von dem Geld, das man entweder mit harter Arbeit verdient oder das einem nicht mehr zu verdienen ermöglicht wird, weil immer mehr Menschen von bezahlter Arbeit ausgeschlossen werden, weil genau darüber Gewinne erzielt werden können; also diese Interessen der Bewohner sind zahlreich in Berlin. Die Banken, die sich auf zu erwartende Gewinne und Erträge zwar regelmäßig verzocken, aber sich sicher sein können, dann trotzdem durch einen Rettungsschirm aufgefangen zu werden, zocken lustig weiter und können sich auch der Solidarität ihrer Sorgen und Ängste durch die Politik sicher sein. Versüßt wird den Bankern und ihren Frauen das Leben mit einer Mode z.B. von Jette Joop.

Und da können Sie sich ganz sicher sein, dass immer mehr Bewohner von Berlin nicht ganz einsehen, warum ihre Sorgen und Ängste, weder ein neues Kleid sich leisten zu können noch ihre Wohnung behalten zu dürfen, da immer wieder neue Investoren, Immobilienfonds und Privateigentümer glauben, sie müssten genau aus diesem Grundstück und ihrer Wohnung mehr Gewinn herausziehen, warum also ihre Sorgen und ihr Interesse als Bewohner nicht ernstgenommen werden. Immer mehr Bewohner sind darüber wütend. Aber „Wir bleiben alle“. Darum können Sie sich sicher sein, dass eine Räumung hier in Berlin viele Solidaritätsbekundungen haben wird. Wir wollen Ihnen jetzt nicht Angst machen und überhaupt wollten wir eigentlich nicht über Gentrifizierung reden, aber angesichts der Bilder vom 1. Mai und der aktuellen Stunde im Bundestag machen auch wir uns Sorgen, wie man diese Gewalt verhindern kann und da kommen wir zum Ausgangspunkt unseres Anliegens zurück:

Im Fall der Brunnenstraße 183 gibt es eine Antwort. Geben Sie Herrn Kronawitter das Grundstück in der Ackerstraße, Sie sind der politische Chef des Liegenschaftsfonds, Sie können das und werden dabei die Unterstützung der Politiker des Bezirkes Mitte genießen! Retten Sie die Bewohner der Brunnenstraße 183 und vielleicht gelingt es Ihnen auch, der süßen Jette Joop ihr Fabel für genau dieses Grundstück auszureden und ihr eines der zahlreichen anderen Grundstücke aus dem Liegenschaftsfonds schmackhaft zu machen.

Wir hoffen auf eine positive Antwort, d. h. eigentlich nur auf Ihre Kenntnisnahme unserer Antwort und ein positives Feedback von Ihnen.

Willkommen in Berlin, wir sind schon alle da und haben vor, zu bleiben. Und wir warten mit Einigen vor Ihrer Tür auf eine Antwort.

Ihre WBA Consulting

Gern geben wir Ihnen auch zu anderen Fragen und Projekten demnächst konkrete Antworten.

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