Kein Platz mehr für Sie und Frau Nachbarin

Osthexe, 9. Juli 2008

Gehen wir am Sonntag zum Bürgerentscheid?

Sie haben in den letzten Wochen die Wahlbenachrichtigung zum Bürgerentscheid im Briefkasten gefunden. Vielleicht haben Sie sich auch gefragt, ob das überhaupt Sinn macht, Ihre Stimme wirklich gefragt ist.

Wir möchten Ihnen hier 5 gute Gründe nennen, warum Sie mit Ihrer Stimme direkt Einfluss nehmen auf Ihre Zukunft:

1. MediaSpree plant für Andere, nicht für Sie

An der Spree sind zahlreiche Bürotürme und Luxuswohnungen geplant. Die große O2-Halle ist nur der Anfang. Auch wenn diese Halle vielleicht auf den ersten Blick „nur für Unterhaltung“ sorgt: Machen wir uns nichts vor, hier kann man Freizeit nur genießen, wenn man Geld hat. Ganz nebenbei hatte Berlin genug Hallen, die mit unseren Steuergeldern finanziert sind. Aber nein, Berlin will höher, weiter, schneller im Wettstreit der Metropolen wie London und Paris mitspielen. Wer einmal diese Städte besucht hat, weiß, dass da für Sie und Frau Nachbarin kein Platz mehr ist. Und so sind die geplanten Bürotürme nur der Anfang, bei dem Sie ganz schnell im Abseits stehen.

2. Arbeitsplätze, aber bitte billig

Der große Köder, mit dem diese Bürotürme um Akzeptanz buhlen, sind Arbeitsplätze. Aber sie glauben doch nicht im Ernst, dass die teuer bezahlten Jobs hier im Kiez ausgeschrieben werden? Wenn etwas hier hängen bleibt, dann sind es die Scheißarbeiten zu Billigstlöhnen, Zeitarbeitsfirmen, Tagelöhner. Und seien wir doch einmal ehrlich: Schwarzarbeit ist doch Gang und Gebe und Hartz IV zwingt einen auch dazu – wie soll man sonst mit den paar Kröten hinkommen. Aber dann noch beschimpft werden als Schmarotzer und zwar genau von denen, die in dicken Sesseln mit dicken Gehältern genau diese Entwicklung durchwinken. Nein Danke, nicht mit uns.

3. Kinder sind in diesem System nicht mehr vorgesehen

Schon heute sind laut offiziellem Armutsbericht der Bundesregierung Kinder ein Armutsrisiko. Aber tut dieser Staat etwas dafür, dass Kinder aus diesem Armutsmilieu herauskommen können? Immer noch gilt, wer arm geboren wird, bleibt arm. Gerade in Kreuzberg, aber auch in Friedrichshain, hat sich über Jahrzehnte eine Kiezbevölkerung im Zusammenleben und in Nachbarschaft entwickelt, die einmalig und nicht wiederholbar ist.

Gerade die kleinen Selbsthilfebeziehungen, die unkomplizierten Nachbarschaften, die vielen kleinen Unterstützungen, das Zusammenleben überhaupt, sind ein unschätzbarer Wert, der nicht einfach aufgegeben werden sollte. Wir bleiben alle!

4. Freiflächen denen, die hier wohnen

Und es hat schon angefangen: Freiflächen werden gestaltet und beplant, alles soll schön werden und „marktfähig“ für die Wohnungen, die hier zu einer Luxusware werden.
Und dann kommen auch schon die neuen Mieter, die Deinen Nachbarn als „Penner“ bezeichnen, weil sie doch tatsächlich glauben, ihr ganzer Reichtum hat was mit ihnen zu tun, weil sie besser und schöner sind. Dabei ist ihr Reichtum nur möglich, weil wir arm sind. Wir putzen und machen den Scheiß weg und bieten billig das gute Essen an der Ecke an, zu dem sie sich dann herab lassen, denn man ist ja auch ein wenig multikulturell. Und nun soll uns auch noch die Spree zugebaut werden. Dieser einzigartige Wasserraum mit seinen wilden Uferplätzen wird in Zukunft privat – aus Beton – und ein bewachtes Sicherheitsgebiet. Ja die polnische Putze, der Döner an der Ecke, aber bitte keine Penner vor der Haustür. Yuppi du stinkst vom Kopf her!

5. Und die Parteien schauen still, um den ganzen Tisch herum…

Ja, es soll gute Gründe geben, die uns die Parteien vorrechnen, warum diese ganze Entwicklung nicht mehr zu stoppen sei. Aber hat hier irgendjemand aus dem Kiez an dieser Planung mitgearbeitet? Wurde irgendjemand gefragt, was er davon hält. Nein, natürlich nicht, denn diese Planung ist ohne den Wirt gemacht. Mit Grundstücken und Wohnungen kann man sehr viel Geld verdienen und darum sieht es so aus, als ob Investoren der Motor von Stadtentwicklung sind, aber in Wirklichkeit sind wir es, die die Stadt putzen, die Besucher preiswert bekochen, die Freiflächen zum Spielen und Grillen nutzen und Kinder bekommen, mit denen wir hier leben. Die Stadt gehört uns und wir werden sie nicht für Investoreninteressen hergeben.

DARUM GEHT AM WAHLTAG ZUM ENTSCHEID UND GEBT EURE STIMME FÜR EURE ZUKUNFT IM KIEZ!

2 Reaktionen zu “Kein Platz mehr für Sie und Frau Nachbarin”

  1. Metronaut.de

    Mediaspree: Last Minute Web-Propaganda…

    Auf http://www.drop.io/mediaspree gibt es Internetbanner für das Bürgerbegehren “Spreeufer für alle!”, das am Sonntag, den 13. Juli in Berlin-Friedrichshain und Kreuzberg abgehalten wird. Für ein erfolgreiches Begehren müssen 15 % aller Wahlb…

  2. Mediaspree adé! « Tommelsaurus Flakes!

    […] https://abriss-berlin.de/blog/2008/07/09/kein-platz-mehr-fur-sie-und-frau-nachbarin/ Posted by tyroflake Filed in Flakes! Tags: politik […]

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