Saures für den Schokoladen

Ostprinzessin, 6. Juli 2008

Wenn beseelte Orte es mit Habgier zu tun bekommen

Verdrängung und Vertreibung gehören in Berlin zum Alltag – leider. Nun sind wieder einmal bedeutende Projekte davon betroffen, die unsere Stadt als ungewöhnliche Metropole und beseelten Ort prägen, der alternative Räume bietet. Aber Kultur ohne oder mit geringem kommerziellen Anspruch wird in Berlin von allen politischen Fraktionen der Parlamente bekämpft oder erschwert und sowieso – wie überall – durch die reine Marktlogik unfinanzierbar gemacht. Und das, obwohl gerade die bezahlbaren Angebote immer mehr von Nöten sind und Berlin ohne Projekte jenseits des Mainstreams eine Stadt wie jede andere zu werden droht. Es ist ein Jammer!

Hier das Neueste von der Front:

“Der Hausbesitzer der Ackerstr. 169/170 (Schokoladen) hat dem Trägerverein die Gewerberäume gekündigt . Zum 30. September 08 sollen die kulturellen Projekte im Haus (Schokoladen, Orph-Theater, Club der Polnischen Versager, Ateliers und Studios) die genutzen Räumlichkeiten besenrein übergeben….

Am Freitagabend nun rückte der Hausbesitzer mitsamt seinen Gorillas an und erklärte überraschend, dass er am Montag morgen die Ateliers im Hinterhof räumen lassen wird. Angeblich existierten für diese Flächen keine Mietverträge mit dem Trägerverein und diese will er ab sofort an eine Glaserfirma vermieten. Zusätzlich will er eine Wohnung im vierten Stock, bewohnt von einer Mutter mit Kind, räumen lassen…

Die Darstellung und die Ankündigung des Hausbesitzers ist erstens falsch und zweitens illegal. Für die Flächen existieren Vereinbarungen und das Faustrecht gilt selbst in Deutschland nicht. Aus Protest gegen die beabsichtigte Räumung gibt es daher am Montag früh (7. Juli o8) ein Frühstück auf dem Hof und in der Kneipe, samt Anwaltsmassage, Pressebelustigung und Musiktralala…

Bitte alle vorbeikommen… Wir bleiben alle

schokoladen mitte
ackerstr 170
10115 berlin”

Schokoladen bei P.i.M.P. (Projekte in Mitte und Prenzlauer Berg)

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