Sofortige Rückführung alternativer Kultur

Abriss Ghost, 9. Mai 2008

Anarchie ist machbar, Frau Nachbar

Veranstaltungsreihe zur sofortigen Rückführung alternativer Kultur nach Mitte und Prenzlauer Berg

Vom 7. Mai bis 17. Juni machen dreißig Projekte aus dem Kiez ein vielseitiges Programm und unterstützen damit das Bündnis Wir bleiben alle!. Das Programm bietet Filme, Vorträge, Diskussionen, Workshops, Konzerte und Parties.

„Die Idee zur Initiative Projekte in Mitte und Prenzlauer Berg (PiMP) entsprang Anfang 2007 einer konkreten Bedrohung der alternativen Wohn- und Kulturprojekte Kastanienallee 86, Brunnenstraße > 183/Umsonstladen und SchokoLaden. Wir sprechen von ‚Bedrohung‘, weil die Modernisierung/Sanierung von Altbauten fast immer mit einer Mietsteigerung einhergeht, die für die bisherigen BewohnerInnen nicht tragbar ist. Das traf und trifft sehr viele MieterInnen und Gewerbetreibende in Berlin, die ihre Nachbarschaft (und damit u.U. Jahrzehnte alte soziale Strukturen) verlassen müssen, weil sie die z.T. verdreifachten Mieten nicht bezahlen können. Im Fall der genannten und vieler anderer Projekte werden neben bezahlbarem Wohnraum auch Räume zerstört, in denen Menschen gemeinsam leben und arbeiten. Für das Zusammenleben in größeren Gruppen, Gemeinschaftswerkstätten/-ateliers und für nicht-kommerzielle Veranstaltungsorte ist neben geringen Kosten wichtig, dass Häuser etagen- und nicht wohnungsweise genutzt werden können.

Der Interessenkonflikt ist klar: Kleine Wohneinheiten mit hohem Standard sorgen für höhere Einnahmen der EigentümerInnen, lassen aber Lebensentwürfe abseits von 1-3ZimmerKücheBad nicht zu und sind schlicht zu teuer. Die für Arbeitsbereiche bzw. Gastronomie üblichen Gewerbemieten können von nicht ausschließlich an Gewinnmaximierung orientierten Betrieben nicht bezahlt werden.

Aprospos ‚Freiräume‘… Ein komischer Begriff – frei wovon und für was?
Auch in unseren Szenen und Räumen läuft nicht alles tutti. Die ein Leben lang angeeigneten Mechanismen greifen auch hier. Manchmal scheint es fast, als ob manches Scheißverhalten in den sogenannten ‚Freiräumen‘ noch umgehemmter ausgelebt werden kann – is ja frei und so…
Dagegen wollen wir einen bewussteren Umgang mit der eigenen Freiheit und der des Anderen setzen – und von unseren BesucherInnen einfordern. Ein respektvoller Umgang sollte eigentlich Mindeststandard (Default) sein – mit anderen Gästen und irgendwie auch mit Denjenigen, die den jeweiligen Raum organisieren, bespaßen, Tresen machen, Bands betreuen, kochen oder am nächsten Tag den Dreck wegmachen, …

‚Ist doch ein Freiraum hier‘ fällt meistens dann, wenn Diejenigen, die den Raum überhaupt erst ermöglichen, auch mal Schluss machen wollen (oder sich über die Nicht-Einhaltung solcher Mindeststandards aufregen). Andererseits scheint vielen/etlichen/einigen Menschen, die solche ‚Freiräume‘ als Gäste aufsuchen, gar nicht (mehr) klar zu sein, was das wirklich für Räume sind. Manche denken wohl, dass das Bier auf Grund einer besonders harten Kalkulation so billig ist und behandeln die Menschen hinterm Tresen wie ihre persönliche BespaßerInnen (Bediensteten?). Klar will keineR zu jedem über den Tresen gereichten Bier einen Vortrag halten, was das hier für ein toller Raum ist (oder sich sowas anhören). Rumliegende/aushängende Texte erreichen aber oft nur die, die sich eh schon mal dafür interessieren und sind in einem Szene-Slang geschrieben, der für Außenstehende häufig… naja zumindest abschreckend (wenn nicht albern) wirkt.

Wie das simple Wissen um die Struktur und Besonderheiten ‚unserer‘ Räume wieder breiter gestreut werden kann, ist daher eines unserer weiteren Anliegen.“

Eine Reaktion zu “Sofortige Rückführung alternativer Kultur”

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