Im Zeichen des 129 a

Ostprinzessin, 24. August 2007

…stand die Kundgebung vor der Justizvollzugsanstalt in Moabit, wo – nach der vorläufigen Freilassung von Andrej H. – immer noch Oliver R., Axel H. und Florian L. gefangengehalten werden, weil ihnen nach wie vor eine Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung – nach § 129a – unterstellt wird.

Jedenfalls nahmen am Mittwoch eine ganze Reihe Menschen teil, die bei der ersten Kundgebung vor drei Wochen noch nicht teilnehmen wollten oder konnten, unter ihnen Peter Grottian, einige Vertreter von Mieterorganisationen und auch politische Vertreter, sowie erneut zahlreiche Mitglieder verschiedenster Bürgerinitiativen. Allerdings fanden die Menschen aus dem wissenschaftlichen Umfeld der Beschuldigten nur vereinzelt den Weg auf die Straße. Offenbar verfügt der sprichwörtliche Elfenbeinturm der Wissenschaft nur über wenige Ausgänge und Brücken in die „Niederungen“ der praktischen Solidarität, im hier vorliegenden Fall mit denjenigen Menschen, die mit maßlosen Verdächtigungen und brutalen Verhaftungsmethoden konfrontiert sind. Andererseits hatten Viele von ihnen bereits vorauseilend verkündet, Solidarität nur mit dem verhafteten Sozialwissenschaftler – und diese nur unter der Annahme vollkommener Unschuld – empfinden zu wollen.

Die Vorkontrollen der militärisch auftretenden Polizeieinheiten waren absurd streng, die Auflagen nicht weniger absurd. Zum Beispiel sollte allen Ernstes verboten sein, Kontakt in das auf der anderen Straßenseite stehende Gefängnis aufzunehmen. Doch die Gefangenen wurden mehrfach von den Demonstrierenden – immerhin über 200 – gut vernehmbar gegrüßt. An den Fenstern der Gefängniszellen drängten sich im Gegenzug auf allen Etagen die Gefangenen und sandten in der Abendsonne ihrerseits beherzte Grüße durch die Gitterstäbe. Ein besonderes Bild ergab sich, als aus sämtlichen Fenstern gewunken wurde.

Während die Einen schlummern, überbieten sich die Anderen mit wie vom Band abgespuhlten Revoluzzer-Thesen. Dazwischen gibt es auch noch Vieles, aber trotzdem keine tragfähige Verbindung. Es bleibt allein die Hoffnung, dass wir Alle voneinander lernen können.

Restriktive Kontrollen Solidarität ist eine Waffe Weg mit dem Paragraph 129a Wir wollen unseren Arbeitskollegen wiederhaben Zuhörer an den Zellenfenstern der JVA

Eine Reaktion zu “Im Zeichen des 129 a”

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